
Am 2ten November war “Skills Assessment Day”. Sprich, hier mussten wir ein Examen ablegen,
das den kompletten Tag dauerte und aus insgesamt sechs verschiedenen Teilen bestand!
Zunaechst waren zwei schriftliche Examina zu bewaeltigen. Das erste behandelte 50 Fragen rund um Physiologie und Pathophysiologie – allgemein und speziell. Dann wurden jedem 30 verschiedene EKG-Streifen vorgelegt, die zu unterpretieren waren. Letztlich rundete das Pharmakologie-Examen die ersten drei Teile ab. Interessant sind folgende Aspekte:
Im ersten Examen mussten mind. 80% erreicht warden. Beim EKG ebenfalls, wobei dieses Examen auch spaeter beim Intensive Care Paramedic zu absolvieren ist. Da hier auch praeklinisch mit Metalyse lysiert wird, muss der Intensive Care mind. 95% erreichen, um zu bestehen. Pharmakologie muss vom Advanced Care mit mind. 90% und vom ICP mit mind. 95% bestanden werden.
Es folgte die erste ‘Skills Assessment Station’. Hier wurden wir ueber verschiedene Skills, wie z.B. das fachgerechte Schienen einer Femurfraktur ausgefragt. Nachdem hier alles nach Protokoll laeuft, musste man diese Stationen stupid emit folgendem Algorhithmus durchlaufen:
- Goal of Treatment
- Indication
- Contraindication
- Precaution
- General
Es folgte dann das Szenario, welches ein cardiac arrest-scenario ist. Hier ist man nur zu zweit, wobei der Co einen ‘Student’ simuliert, der eben gerade mit der Ausbildung angefangen hat, was heisst, er ist in der Lage die Herz-Druck-Massage und Beutelbeatmung durchzufuehren und desweiteren die Defipatches am Patienten anbringen. Sonst kann er rein gar nichts. Auf gut Deutsch, alles weitere wie LMA, iv-Zugang, Adrenalin etc. muss man selbst durchfuehren und kann auch nicht deligiert werden. Ziel ist es, dass hier der Eindruck vermittelt wird, dass man wirklich weiss, was man will, dass man Prioritaeten setzt und letztlich den Assessoren beweist, dass man auch mit dieser schwierigen Situation umgehen kann.
Als letztes erfolgte ein ‘Skills Assessment’ der erweiterten Massnahmen. Aber es wurden auch Aspekte abgefragt, die in Deutschland sicherlich auf Kopfschuetteln stossen werden. U.a. ist es uns erlaubt, den Tod eines Patienten festzustellen und auch ein entsprechendes Dokument auszufuellen. Hier werden insgesamt drei verschiedene Szenarien unterschieden: Obvious dead (wie in Deutschland, sichere Todeszeichen wie Decapitation, Leichenstarre, Leichenflecke, fetale Malceration usw.), rapid discontinuation criteria (Cardiac arrest incl. Asystolie in zwei benachbarten Ableitungen und mind. 10min ohne Bystander-CPR) und general discontinuation criteria (CPR fuer mind. 20min ohne Erfolg).
Nach erfolgreichem Abschluss dieses Tages ist man also ein ‘richtiger’ Paramedic und auch berechtigt, Students auszubilden. Bevor ich in einem anderen Blog auf den Intensive Care Paramedic eingehe, hier noch ein paar Anmerkungen, wie es nun bei uns so ablaeuft…
Welch Wunder, Patienten sind ueberall die gleichen ;-) Da gibt es also keine Unterschiede. Was die Leitstelle betrifft, gibt es jedoch deutliche Unterschiede, abgesehen von den allgemeinen Problemen wie schlechte Disposition etc. Die RLST wird hier Comms genannt. Zu Schichtbeginn meldet man sich bei Comms an, nicht nur muendlich via Radio sondern auch via dem ‘Medical Data Terminal’. Dieser Datenterminal ist vergleichbar mit dem System, dass u.a. auch die RLST Traunstein hat. Doch dieser Datenterminal dient nicht nur dem gegenseitigen(!!) Informationsaustausch, sondern auch dem Tracking der Ambulance. Hier wird die Ambulance auf einem Monitor in Comms auf jeden Dispatcherplatz dargstellt und somit weiss man zu jeder Zeit, wo welche Ambulance ist, welchen Status sie hat etc. Das erleichtert die qualitative Disposition ungemein, wobei natuerlich letztlich der Disponent der entscheidende Faktor ist – mit allen Staerken aber auch Schwaechen…
Grundsaetzlich warden wir ausschliesslich zu Notfaellen entsendet. Krankentransporte hingegen werden vom ‘Patient Transport Service’ wahrgenommen. Natuerlich muss man auch immer wieder mal aushelfen, jedoch faehrt man rund zwei Krankentransporte im Monat, nicht wirklich mehr. Notfaelle werden in verschiedene Prioritaeten unterteilt: Grundsaetzlich gibt es Code 1 und Code 2 Notfaelle, die noch jeweils in A, B und C unterteilt werden. Code 1A und B werden mit einem ICP bedient, 1C ohne. Alle Code 1 Notfaelle werden mit Sondersignal gefahren, Code 2 Notfaelle ohne. Code 2A bedeutet z.B., dass man sofort ausruecken muss. 2B hat ein wenig Zeit und 2C ist schon beinahe ein Krankentransport. Interessant ist sicherlich, dass die Disponenten keine(!!) medizinische Ausbildung wie die eines Paramedics haben. Sie fragen alle Notfaelle nach Schema und Liste ab. Dies mag nun dem Leser ein wenig die Stirn in Runzeln legen, erstaunlicherweise jedoch ist die Abfragequalitaet etc. nicht schlechter, als die in Deutschland. Und Meldebildabweichungen sind hier genauso normal wie in Deutschland. JEDOCH! Es befindet sich ein ICP 24/7/365 in Comms, um bei allen Code 1 eine Review durchzufuehren etc. So kommt es auch vor, dass ein Code 1 zunaechst dispatcht wird, aber, obwohl man mit Signal schon unterwegs ist, der Notfall wird gedowngraded (zB. Code 1C zu 2A) – oder es passiert eben das Gegenteil. Wie gesagt, die Qualitaet ist nicht schlechter als die in Deutschland.
Jeder Paramedic hat einen Pager (digital) und ein Handsprechfunkgeraet (analog). Die Ambulance verfuegt ebenfalls ueber zwei fest eingebaute analoge Funkgeraete. Jeder Patient wird ausnahmslos in der jeweiligen Klinik via Radio bei der Triage Nurse mit den wichtigsten Details angemeldet. Handelt es sich um einen komplexen Patienten fordert man auch die weiteren Fachdisziplinen an. Aber kein Sorge, i.d.R. macht das in jedem Falle die Triage Nurse nach Krankenhaus-Policy. Diese Vorschriften sind so gut ausgearbeitet, dass man i.d.R. auch alle Fachdisziplinen, die benoetigt warden, vorfindet.
Einsaetze werden in das sog. E-ARF eingegeben. Dies ist ein Laptop, Toughbook, mit entsprechender Software. Ich denke, ich habe dies bereits in einem anderen Blog beschrieben, so dass man nicht wirklich weiter darauf eingehen muss.
Was die Ausstattung der Ambulancen angeht, so gibt es hier nicht viel Unterschiede zum deutschen RTW. Wir haben zwar keine Beatmungseinheit, was die Sache zwar erleichtern wuerde, aber das muss man eben dann manuell bewaeltigen. Sicherlich nicht das Gelbe vom Ei, aber mal ehrlich – wie oft wird die Beatmungseinheit wirklich benoetigt? Auch in Deutschland? Selten! Ich moechte hier das keinesfalls in Abrede stellen und ich selbst wuerde mir einen Oxylog 3000 wuenschen, aber es ist eben hier nicht die Philosophie. Die Philosophie hier heisst, Patient an die Hand, damit Du spuerst, was los ist… Als EKG/Defi wird das LP 12 verwendet. Alle LP12 kommen in Vollausstattung, ausser Temperatur und invasiver Druckmessung. SpO2, NIBP, EKG, 12Kanal, etCO2, Pacer und Defibrillator sind Serienaustattung. etCO2 ermitteln wir entweder via Mainstream, oder aber auch nasal beim ansprechbaren Patienten.
Zur Immobilisation verwenden wir nicht nur StiffNeck, Vakuumschienen und SamSplints. Desweiteren haben wir die SamSling (Beckenfraktur), Backboard, Schaufeltrage, Vakuummatratze und das NEIJ (Fortentwicklung des KED) zur Verfuegung.
Besetzt ist jede Ambulance mit mind. einem Advanced Care Paramedic und einem Student. Dies ist, gerade in komplexen Situationen, nicht wirklich von Vorteil, doch kennt man diese Praxis ja auch von Deutschland.
Das soll es fuer heute gewesen sein, bis bald!
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