
Teil 6 des Australien-Blogs
Intensive Care Paramedic (ICP)
Heute moechte ich mich dem ICP widmen!
Grundsaetzlich kann die Qualifikation von jedem Advanced Care Paramedic, der fuer Queensland Ambulance Service arbeitet, angestrebt werden. Bis auf wenige Ausnahmen muss der komplette Kurs absolviert werden. Hierfuer muss man sich bewerben und wird dann mittels einer Matrix zum Inteview zugelassen â oder auch nicht. Es folgen verschiedene weitere Tests etc. und wenn man alle erfolgreich absolviert hat, darf man das Studium antreten. Aktuell gibt es fuer den gesamten Staat Queensland, der rund 5x groesser als Deutschland ist, ungefaehr 271 ICPs. Das Studium umfasst rund 12 bis 18 Monate und wird nebenberuflich absolviert. Es gliedert sich, wie allgemein ueblich, in Theoriebloecke und Praktika. Waehrend dieser Zeit muss man diverse Arbeiten verfassen, die entsprechend bewertet werden. Ein einfaches âzusammengoogelnâ der Arbeiten ist zwar moeglich, wird aber in dem Sinne belohnt, als dass die Arbeit nochmals angefertigt werden muss. Im schlimmsten Fall wird sie nicht gewertet, was einer Schulnote â6â gleichkommt und sich aeusserst negativ auf den weiteren Ausbildungsverlauf auswirkt. Ziel der Arbeiten ist es, dass der Student sich intensiv mit der Materie beschaeftigt und diese auch versteht! So auch in der Pharmakologie. Problem ist z.B. bei den Paramedics aus England, dass diese zwar wissen, dass Ketamin u.a. zur Analgesie eingesetzt wird, aber sie wissen nicht, wie es wirkt. Und genau hier besteht man darauf, dass man weiss, wo welche Medikamente wie ansetzen und was an den Rezeptoren etc. passiert.
Die Praktika werden dann in der Klinik (Anaesthesie etc.) abgeleistet. Dazu muessen die ICP-Students jedoch auch immer wieder mit einem ICP mitfahren, um ihr erlerntes Wissen auch praktisch umzusetzen.
Am Ende der Ausbildung muss dann ânur nochâ eine ein-woechige Pruefung bestanden werden und dann darf man ggf. die roten Aeskulapstaebe in goldene umtauschen! Insgesamt hat man nur zwei Chancen, die Pruefung zu bestehen!
Fuer ICPs, die von Uebersee kommen, gibt es eine Ausnahmeregelung, die sogenannte âIntensive Care Paramedic Challengeâ. Um zur Challenge zugelassen zu werden, muss man nachweisen koennen, dass man
-Â Â Â Â Â Â Â Â Â mindestens drei Jahre hauptberuflich als Paramedic gearbeitet hat
-Â Â Â Â Â Â Â Â Â als ICP gearbeitet hat
Eigentlich nicht viel, aber nun denn. Nachdem ich ja im Blog 5 beschrieben habe, wie der Werdegang eines Paramedics, der von Uebersee kommt, zum Advanced Care Paramedic ist, setze ich hier nun gleich weiter an und beschreibe nun meinen Weg, den ich aktuell gehe.
Nachdem man die Pruefung zum Advanced Care Paramedic bestanden hat, kann man sich zur ICP-Challenge bewerben. Hier muss nun zuerst der Aerea-Director sehen, ob man ueberhaupt aktuell einen Ausbildungsplatz hat und ob man auch abkoemmlich ist. Dann muss man seine kompletten Certificate etc. beim Ausbildungs-Department abgeben. Diese werden dann evaluiert und sofern man die Kriterien erfuellt, wird man zur Ausbildung zugelassen. Wobei, Ausbildung ist nicht unbedingt der richtige Begriff. Ich muss also nun mind. drei Monate mit einem Intensive Care Paramedic arbeiten, der mich supervisioniert. Hier kann es aber nicht âirgendeinâ ICP sein, sondern es muss ein zugelassener ICP-Mentor sein. Ehrlich gesagt, hab ich manchmal das Gefuehl, dass diese Jungs reine wandelnde Bibliotheken sind⊠Aber nun denn. In diesen drei Monaten habe ich alle zwei Wochen entsprechende Ausbildungsinhalte zu verinnerlichen. Zum Beispiel sehen meine ersten zwei Wochen so aus (hab das soweit wie moeglich eingedeutscht):
Poor Perfusion/shock
o Cardiogener shock
Cardiovascular emergencies
o Herzstillstand
o Brustschmerz/Acute Coronary Syndromes
o Arrhythmien
o 12-lead ECG Interpretation
o Cardiac arrest
o Aortien Aneurismen, Herzklappennotfaelle, Perikarditits, Hypertonie
o ROLE (Todeserklaerung, Todesfeststellung)
Additional topics
o Lifepac 12 defibrillator/monitor
o Herztransplantation und ventricular assist device (VAD)
o The 12-Lead ECG in Paramedic Practice (infarction patterns, STEMI, BBBâs etc)
o QAS Cardiac Reperfusion strategy (Lyseprotokoll)
Review the following drugs and their relationship to the above guidelines.
o Adrenaline
o Amiodarone
o Aspirin
o Atropine
o Glyceryl Trinitrate
o Lignocaine
o Morphine
o Sodium bicarbonate
Review the following Clinical Practice Procedures
o Patient assessment-Systematisches Vorgehen
o Perfusion status assessment
o Erwachsenen CPR
o Herz monitoring
o 12-Lead ECG Interpretation
o Defibrillation
o Syncronised cardioversion
o Transcutaneous pacing
o IV cannulation
o Punktion der V. jugularis externa
Diese Punkte muessen also innerhalb der zwei Wochen abgearbeitet werden. Eigentlich nicht wirklich viel, Problem ist nur, dass am Ende der Challenge bei der Pruefung erwartet wird, dass man mit den ICP-Studenten auf einem Level ist. Sprich, man erwartet dieselben theoretischen Kenntnisse wie bei den Studenten. Und das macht die Sache wiederum spannend. Weiterhin macht es die Tatsache noch spannender, dass man als âChallengerâ nur einen Pruefungsversuch hat! Wird dieser versemmelt, kommt es auf die Umstaende an. Sofern man sich nur kleine Patzer erlaubt hat, die in der Gesamtheit wiederum das Bestehen verhindern, bekommt man eine zweite Chance. Sollte man sich einen groben Fehler erlauben, so war es das und man muss am normalen Kurs teilnehmen â sofern man dann auch zugelassen wird.
âGo for Goldâ ist hier der Slogan und auf der einen Seite kann ich es nicht erwarten, auf der anderen Seite jedoch macht es mich nervoes zu wissen, dass man unterm Strich nur eine Chance hat. Des drueckt dann doch gehoerig auf einen. Doch ich habe noch Zeit. Eigentlich moechte ich meine âGold Wingsâ, sprich meine Schulterklappen, noch vor meiner Trauung im April haben. Und da ist der Termin am 22. Maerz. Danach wird es dann ziemlich anstrengend in meinem Privatleben ;-) und es waere daher sinnig, dass ich mich im Maerz dem ganzen Trara stelle.
Wie geht es dann als ICP weiter?
Die ICPs hier haben in etwa die Funktion die ein Notarzt in Deutschland hat. Meist hat man auch sein eigenes Fahrzeug, dass dem NEF gleichkommt. Jeder ICP hat seine eigene Ausruestung, sprich Notfallrucksack, i.o.-Kit, Airway-Kit etc. und ist entsprechend auch dafuer verantwortlich. Grundsaetzlich sind alle ICPs alleine unterwegs, was also nicht unbedingt das Gelbe vom Ei ist (vgl. NEF allein besetzt in Deutschland). Sie werden zu allen Code 1A und 1B Notfaellen disponiert, wird jedoch haeufig vom normalen Paramedic-Unit abbestellt. Ueber den Sinn des Abbestellens kann ich hier nun nicht eingehen, finde es manchmal jedoch merkwuerdig, wie freizuegig und schnell der ICP abbestellt wird. Natuerlich kann der ICP jederzeit auch nachgefordert werden.
In einem der kommenden Blogs werde ich dann die Kompetenzunterschiede beschreiben und generell wie das Leben hier in Australien istâŠ
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